Ich fürchte, ich werde entlassen

Als ich letzte Woche mit einem Klienten ein Coaching hatte, waren das seine ersten Worte.

Auch wenn momentan knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen von Freisetzungen, Entlassungen, Stellenabbau reden - kam diese Aussage wie ein Hammer.


Mein Klient erzählte von schlaflosen Nächten, Nervosität und auch Zukunftsangst. Er selbst hatte vor ein paar Jahren ein Haus gekauft, die Kinder waren noch schulpflichtig. Er fing bei dem Unternehmen vorletztes Jahr als Angestellter an und wurde erst Anfang des Jahres Führungskraft.


Als erfahrener Coach weiß ich, dass hinter der Aussage "ich fürchte, ich werde entlassen" noch keine klare Entlassung steht. Es ist eine Befürchtung und meine Aufgabe ist, herauszufinden, was TATSÄCHLICH dahinter steckt.

Nachdem er sich ein paar Dinge von der Seele reden konnte ("wissen Sie, ich kann ja schlecht meiner Frau sagen, dass ich vermutlich bald arbeitslos bin. Und auch sonst kann ich ja nicht mit Einem meiner Kollegen darüber reden."), sagte ich ihm, dass es mir leid tat, das zu hören, aber fragte ihn so gleich, was denn seine Befürchtung stützt.

Da gab es neben dem Flurfunk nun auch ein paar Meetings mehr seitens der Geschäftsführung. Außerdem laufen die Geschäfte momentan nicht gut. Und Kurzarbeit gäbe es teilweise schon im Unternehmen. Da ist es doch naheliegend, dass die ersten Entlassungen kommen.

Ich hakte nach, ob es denn schon konkrete Pläne gab. Er sagte, er wüßte von nichts, aber er gehört ja nicht zur Geschäftsleitung. Aber er gehe davon aus, dass eine Entlassungswelle kommt, und er sei ja erst kurz dabei und somit sicherlich einer der Ersten.

Ok, dachte ich mir - es ist weiterhin eine Vermutung, aber das kann ich ihm jetzt schlecht so sagen, denn für meinen Klienten steckte mehr dahinter.


Ich war zuerst ein wenig erstaunt, dass ausgerechnet dieser Mann, den ich nun doch schon einige Zeit im Coaching begleitete, der erst Anfang des Jahres Führungskraft wurde, auf einmal so Angst hatte und sich nicht auf Fakten stützte. Was hatte dies ausgelöst?

Nach einem kurzen Blick auf seine Profile in der Potentialanalyse war es mir sofort klar. Aber ich wollte, dass er selbst diese Erkenntnis bekam.

Während des Gesprächs bat ich ihn, dass wir einen Blick auf seine Motivatoren werfen und ebenso auf die Stressfaktoren. Mein Klient las kurz drüber und sagte dann "ja, es ist mir schon klar, dass ich Klarheit brauche. Deswegen bin ich ja so besorgt." Ich hakte nach, ob die oben genannte Punkte wie Flurfunk, mehr Meetings, schlechte Geschäfte, Kurzarbeit und die Tatsache, dass er noch nicht lange dabei sei, für Klarheit sorgen könnte.

Er überlegte und schwieg. Ich stellte ihm dann folgende Fragen "Glauben Sie nicht, dass die Geschäftsleitung alles dafür tun wird, dass niemand entlassen werden muss? Und wenn dann doch Stellenabbau droht, man dann Lösungen suchen wird über Altersteilzeit und dergleichen?".

Plötzlich sagte mein Klient dann "Ja, Frau Vollmer, Sie haben vollkommen Recht. Vielleicht trifft sich die Geschäftsleitung gerade, um gute Lösungen zu finden. Und der Flurfunk ist ja eigentlich auch Quatsch - unsinnige Gerüchteküche. Aber ich wie Sie ja von meinem Profil wissen, brauche ich Struktur und klare Prozesse, und die haben wir ja momentan nicht. Und das scheint mich tatsächlich so aus der Bahn geworfen zu haben, dass ich mir Sorgen über ungelegte Eier mache".

Halleluja, dachte ich mir - er hat erkannt, WAS ihn dazu bewog, sich zu sorgen. Nun galt es zu schauen, wie wir den nächsten Schritt gehen können, dem vorzubeugen.


Ich bat ihn sich kurz zu überlegen, was er denn nun braucht, damit er nicht erneut in die Falle tappt. Er sagte Klarheit und Routine (die es durch Corona auch Zuhause mit schulpflichtigen Kindern nicht gab). Wir überlegten dann folgende Punkte:

  • Gesprächstermin mit seinem nächsten Vorgesetzten, um mehr Fakten zu bekommen (bis wann Kurzarbeit geplant ist, welche Strategien es nun gibt, etc.)

  • Gespräch mit seiner Frau (mitzuteilen, dass auch er momentan nicht im Gleichgewicht ist aufgrund der fehlenden Routine und Struktur)

  • möglichst viel Routine im Home-Office schaffen (feste Zeiten, fester Arbeitsplatz, klare Abläufe der Tätigkeiten, etc.)

Damit fühlte sich mein Klient wohl - er hatte nun einen Plan für die kommenden Wochen. Ich bin gespannt, was er mir nächste Woche berichten wird, ob sich dies positiv auf ihn auswirkte.


Anmerkung: Dies trifft nicht auf Jeden von uns zu, dass er Routine und Klarheit braucht. Für Manche ist dies sehr wichtig, Andere fühlen sich komplett eingeschränkt dadurch. Es gilt immer zu schauen, was auf Sie persönlich zutrifft.


Fazit:

Gerade die jetzige Zeit hat doch Viele von uns komplett oder teilweise aus der Bahn geworfen. Viele Befürchtungen, Ängste, Unklarheit stehen im Raum - und je nachdem, wie Sie aufgestellt sind, kann dies Sie sehr stressen.

Kennen Sie Ihre Motivatoren? Aber auch Ihre Stressfaktoren? Es gut und wichtig gerade in dieser Zeit diese zu kennen, damit Sie Ihre Denkmuster durchbrechen können und sich gut für die Zukunft positionieren. Schließlich warten ja auch noch die Ziele 2020 darauf, erledigt zu werden.


Mehr zu Ihrer persönlichen DNA für Ihr Verhalten und Ihren Kompetenzen finden Sie hier:

https://www.ela-c2c.com/post/die-dna-ihres-verhaltens-und-ihrer-kompetenzen


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