Der "anstrengende" Kollege

Haben Sie auch so Einen oder Eine? Oder gar Mehrere?


In der Regel erlebe ich bei meinen Klienten, dass es mindestens 1-2 "anstrengende" Kollegen gibt. Somit scheint es nichts Außergewöhnliches zu sein. Also warum dazu dann einen Beitrag schreiben?

Nun, weil ich sagen muss, dass wenn man die ganze Sache ein bisschen beleuchtet bzw. systematisch angeht, normalerweise der Umgang dann besser wurde.


Was genau verstehen Sie unter "anstrengend"?

Mit dieser Frage eröffne ich die Gesprächsrunde oder das Coachinggespräch. Denn es ist wichtig zu klären, was jeder genau unter dem Wort "anstrengend" oder "nörglig" oder "falsch" etc. versteht.

Wenn meine Klienten anfangen ein Verhalten zu beschreiben, was sie "stört", hinterfrage ich immer 3 Dinge:

  • Wer sagt, dass es so wie Sie es für "angemessen"/"richtig"/etc. halten, es tatsächlich so ist? Gibt es dazu eine Regel/Gesetz oder dergleichen? Oder warum Sie meinen, dass es "anstrengend"/"nicht regelkonform" etc. ist.

  • Ich möchte gerne auf einer Skala von 1-10 wissen, wie "anstrengend"/"schlimm"/etc. es für Sie ist. Bei Bewertungen bis 5 frage ich nach, ob es sich lohnt, jetzt wirklich darüber zu reden bzw. sich dazu Gedanken zu machen. Wenn dann gesagt wird "6" oder höher, hake ich nach, was noch anstrengender/schlimmer sei. In der Regel kommen dann ein paar Beispiele. Ob diese wirklich anstrengender oder schlimmer sind, kann nur Derjenige/Diejenige beurteilen, der dies nennt. Ich bringe dann gerne ein paar Beispiele, die ich von Anderen gesammelt habe: Jemand, von dem man nicht weiß, ob er heute ins Büro kommt oder nicht und nicht erreichbar ist - und das geht jeden Tag so und die Besucher/Bewerber etc. warten. Jemand, der so laut telefoniert, dass man ihn sicherlich auch ohne Telefon noch 500 km entfernt hört. Jemand, der riecht, wie wenn er noch nie Wasser und Seife gesehen oder genutzt hat - und zwar jeden Tag. Jemand, der seine Tasse anstatt in die Spülmaschine oben drauf stellt und beim Kopierer die Information "Toner wechseln" komplett ignoriert. (Klassiker!) Jemand, wenn er was sagt, man nicht weiß, ob das nun erfunden, gescherzt, gelogen, oder was auch immer ist - und zwar ständig. Ich könnte Ihnen sicherlich noch mehr Beispiele geben, die den Faktor 6 bei vielen Anderen locker überbieten. Nach ein bisschen Sammeln von "wirklich" anstrengenden Verhaltensweisen, lasse ich meine Klienten die Situation nochmals neu beurteilen. Oft hat sich der Wert schon um 2-3 Zähler gesenkt, wenn man sich mal "wirklich" anstrengende Verhaltensweisen vor Augen führt.

  • Die 3. und alles entscheidende Frage ist, ob schon versucht wurde, die Sache zu klären. Hat man wirklich mit dem "anstrengenden" Kollegen über sein Verhalten gesprochen und mal hinterfragt, warum er/sie das so tut? Hat man dieses Gespräch in einem "friedlichen" Rahmen getan oder war man auf Konfrontation aus, weil "es jetzt reichte"?

Fakt ist, dass sich die meisten Konflikte, und somit auch die "anstrengenden" Kollegen zwar nicht in Luft auslösen, aber nach diesem Prozess deutlich entspannter zu handhaben sind.

Denn oft sind es unsere eigene limitierenden Gedanken, die uns dazu verleiten lassen, dass alles, was nicht in "unsere Welt" reinpasst, als "anstrengend" oder "nicht richtig" empfunden wird.

Wenn man sich selbst hinterfragt, mit welcher Autorität man dieses Urteil fällt, sieht es oft schon anders aus.

Wenn man dann auch mal bei seinem Gegenüber in einer guten Gesprächsatmosphäre neutral hinterfragt, warum er/sie dieses Verhalten an den Tag legt, versteht man vielleicht die Situation besser. Gleichzeitig spricht man noch das eigene Mitempfinden damit an. Oft kann man sich in der Mitte treffen oder findet andere Lösungen, so dass der "anstrengende" Kollege gar nicht mehr so "anstrengend" ist.


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